Forum Anwaltshaftung

  1. Susanne Lange
  2. Anwaltshaftung
  3. Dienstag, 23. Februar 2021
Guten Tag,
mein Arbeitgeber war der Meinung,dass er mir nicht kündigen muss, Da ich als Geschäftsführerin eingestellt war. Mein Anwalt klagte eine ordentliche Kündigung ein. Doch noch vor dem Gerichtstermin bekam ich die geforderte Kündigung. Ich war zufrieden, doch der Anwalt wollte unbedingt eine Entschädigung einklagen, obwohl feststand, dass das Kündigungsschutzgesetz keine Anwendung findet, auf Grund der zu geringen Mitarbeiteranzahl. Jetzt bekomme ich eine Entschädigung von 500,00 €, während seine Rechnung knapp 3000,00 € beträgt. Das steht doch in keinem Verhältnis. Darüber wurde ich im Vorfeld nicht informiert. Muss ich diese Rechnung begleichen?
Ausserdem wurde ich über den bevorstehen Gerichtstermin nicht informiert. Mir wurde lediglich das Urteil zugestellt.
Kommentar
Es sind noch keine Kommentare vorhanden
Antworten (1)
Akzeptierte Antwort Pending Moderation
Hallo Susanne,

ich vermute, dass Ihre Klage vor dem Arbeitsgericht geführt wurde. Bei dem Arbeitsgericht gilt in erster Instanz die Besonderheit, dass es keinen Anspruch auf Kostenerstattung gegenüber dem Gegner gibt, selbst wenn man den Prozess gewinnt. Das bedeutet, dass man seine eigenen Anwaltskosten vor dem Arbeitsgericht in erster Instanz somit praktisch immer selbst zu bezahlen hat, auch wenn die Erfolgsaussichten noch so gut sind.
Weil diese Kostenregelung bei den Arbeitsgerichten ungewöhnlich ist, muss der Anwalt seinen Mandanten vor der Prozessführung darauf hinweisen, dass er die Kosten des Prozesses in jedem Fall zu tragen haben wird.
Ich vermute, dass Ihr Anwalt bereits diesen Hinweis unterlassen hat, so dass er sich schon unter diesem Gesichtspunkt schadensersatzpflichtig gemacht haben könnte.

Des Weiteren entnehme ich Ihrer Schilderung, dass die Prozessführung wohl ohne jede Erfolgsaussicht gewesen ist, wenn das Kündigungsschutzgesetz von vorneherein nicht anwendbar war.
Es ist anwaltsfehlerhaft, wenn der Rechtsanwalt nicht auf die praktisch nicht gegebene Erfolgsaussicht einer Klage hinweist und wenn er von einer solchen Klage nicht abrät.

Auf Grundlage Ihrer Schilderung halte ich es daher für wahrscheinlich, dass Sie die Vergütungsrechnung Ihres Rechtsanwalts im Ergebnis nicht bezahlen müssen (evtl unter Abzug des Vorteils aus der Prozessführung von € 500,00), wenn Sie die Klage bei richtiger Beratung und Belehrung durch Ihren Anwalt gar nicht erst beauftragt hätten (Stichwort: "Durch Falschberatung erschlichener Klageauftrag" ) . Das müsste aber natürlich im einzelnen konkret geprüft werden.

Mit freundlichen Grüßen zum Wochenende!
Mit freundlichen Grüßen

Kai Spirgath
Rechtsanwalt
Kommentar
Es sind noch keine Kommentare vorhanden
  1. vor über einem Monat
  2. Anwaltshaftung
  3. # 1 1
  • Seite :
  • 1


Es gibt noch keine Antworten zu diesem Beitrag.
Sei der Erste der antwortet.
Gast
Ihre Antwort
Captcha
Um diese Seite vor unbefugten Zugriffen zu schützen, bitten wir Sie, den Captcha Code einzugeben.

Kontaktinformationen

E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Telefon: 06221 - 13 886 22

oder benutzen Sie ganz einfach unser Kontaktformular

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.